Wie ich Minimalist wurde

Minimalismus Nov. 19, 2019

Da ich gerne mal auf diversen Shoppingseiten im Internet unterwegs bin kommt es oft vor, dass irgendeine Sache mein Interesse weckt und ich mir denke:

"Hey, dieses Kissen sieht aus wie eine Limette. Cool!".

Da ich das Kissen super finde, wird es dann direkt bestellt und findet nach circa 8 Jahren seinen Weg aus China nach Deutschland. Spätestens jetzt merke ich, dass dieses Kissen absolut nirgends in mein WG-Zimmer passt und ich eigentlich generell gar keinen Bedarf an einem Kissen habe, dass aussieht wie eine Limette. Warum auch?

Anstatt jetzt aber den Fehler einzusehen und das Teil direkt wieder loszuwerden, wird es irgendwo in meinen Schrank geräumt und bleibt dort auf unbestimmte Zeit. Mindestens so lange, bis ich meine nächste Ausmist Aktion starte.
Richtig über dieses Verhalten nachgedacht habe ich erst, als ich mit meiner Freundin 3 Monate durch Europa getourt bin. 3 Monate nur mit den Sachen leben, die in dem Kofferraum eines Kleinwagens Platz finden. Und jeden Tag, wenn man wieder irgendetwas gesucht hat, habe ich mich über die Sachen geärgert, die ich eingepackt hatte, ohne sie wirklich zu brauchen. Nach kurzer Recherche im Internet fand ich heraus, dass viele Menschen ähnlich denken wie ich in dem Moment und das man zu dem Thema Minimalismus einiges an Büchern findet. Auf Amazon bestellte ich dann spontan das Buch "Goodbye Things" von Fumio Sasaki, welches ironischerweise einer meiner letzten Spontankäufe wurde.

Fumio Sasaki beschreibt in dem Buch recht ausführlich alle Aspekte des Minimalismus. Welche Nachteile es hat, viele Dinge zu besitzen, wie man es schafft, Sachen zu entsorgen und vor allem auch wie man danach minimalistisch weiterleben kann. Das Buch in Kombination mit der Reise, bei der jedes Teil, das wir zu viel dabei hatten regelmäßigen Aufwand bedeutete führte dazu, dass ich plötzlich nicht mehr so überzeugt davon war, alles aufzuheben, was ich irgendwann einmal bekommen hatte. Das erste was ich nach der Reise gemacht habe, war mein WG-Zimmer auszumisten. Dabei wurden ebay, Kleinanzeigen und die Straße vor unserer Wohnung zu der besten Anlaufstelle um Zeug loszuwerden. Es gab wenige Tage, an denen niemand vorbeikam um etwas abzuholen und auch Kartons zum Versenden wurden schnell Mangelware. Nach 100 verkauften Sachen habe ich aufgehört zu zählen und nach einem Monat hatte ich ca. 1000€ zusammen. Interessant fand ich vor allem, dass mein Zimmer nach dem Monat noch kein Stück anders aussah als vorher. Ich wusste auch nicht wirklich, was ich überhaupt alles verkauft hatte, aber vermisst habe ich auf jeden Fall nichts. Als mein WG-Zimmer langsam nichts mehr zum Ausmisten hergab, habe ich begonnen mein Kinderzimmer zuhause auszumisten. Hier gab es auch erste emotionale Konflikte mit Gegenständen, die an Erinnerungen geknüpft sind. Aber auch hier wurde einiges verkauft und entsorgt.

Das ganze geht bis heute so, nur dass ich mittlerweile tatsächlich sehe, wie mein Zimmer leerer wird. Vermissen tue ich trotzdem nichts. Und selbst wenn, kann ich es wahrscheinlich recht unkompliziert wieder nachkaufen. Mittlerweile hinterfrage ich Kaufentscheidungen und warte im Zweifelsfall erst noch ein paar Tage ab.

Ob das ganze Minimalismus Thema einen positiven Effekt auf mein Leben hat, der über mehr Platz und geringere Ausgaben hinausgeht, kann ich noch nicht sagen. Einen Negativen habe ich jedenfalls auch noch nicht bemerkt.

Noch drücke ich mich auch etwas davor, einige Möbel zu entsorgen, aber das Problem wird dann in der näheren Zukunft angegangen. Spätestens beim nächsten Umzug.


Auf Youtube veröffentliche ich mehr oder weniger regelmäßig Videos zum Thema Minimalismus, also schau doch mal vorbei, wenn es dich interessiert!

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